Reisen mit reflektiertem Purpose

By 26. März 2021April 22nd, 2021Zukunft des Tourismus

Wer ich bin?

Ich bin 30, lebe in Berlin, weiblich, ledig aber mit Partner, bin selbstständig tätig, reise gern und bin eigentlich ganz nett.

Liebe M.,

Wir haben uns schon viel zu lange nicht gesehen. Ich wollte dich dieses Jahr sehr gern in Australien besuchen kommen, aber ich habe leider keine Zeit gefunden, mich auf den Tourismustest vorzubereiten. Außerdem habe ich mein Nachhaltigkeitspensum schon erreicht und fliegen darf ich in diesem Jahr nicht mehr. Vielleicht klappt es im nächsten Jahr – dass ich dich kenne, bedeutet immerhin, dass ich nur den kleinen Test machen muss, der nicht ganz so viel Vorbereitung bedarf. Aber vor allem der Reflexionstest macht mir da Bauchschmerzen – auch weil ich noch so wenig über Aborigines weiß und mich auch hier erst einmal grundlegend und ausführlich mit dem Privileg meiner Hautfarbe und Herkunft auseinandersetzen müsste.

Bauchschmerzen habe ich nicht, weil es mich nicht interessiert oder ich es nicht für wichtig halten würde – ganz im Gegenteil. Aber es ist halt doch ein Thema, wo ich vielleicht sogar einen Vorbereitungskurs nehmen müsste und zeitlich war das dieses Jahr einfach nicht drin! Aber auch wenn ich nun ein wenig traurig darüber bin, dich nicht besuchen zu dürfen, so liegt mir dieses Thema und vor allem auch das Thema Nachhaltigkeit doch sehr am Herzen und ich weiß, dass ich das Reisen für einen guten Zweck unterlasse (abgesehen davon, dass ich einfach nicht gut genug vorbereitet bin um eine gute Touristin zu sein).

Lass‘ uns doch bald holofonieren, auch wenn ich den Retrotrend Briefe zu schreiben eigentlich auch ganz lustig finde, wenn es mir auch schwer fällt, handschriftlich zu arbeiten, anstatt zu tippen. Meine Muskeln finden das auf jeden Fall ziemlich ungewohnt.

Ich drücke dich aus weitester Ferne und denke an dich, deine L.

– Originalversion: Deutsch –

Die einzelnen “Zukunftswünsche” zum Zukunftsbild:

1. “Ich erhoffe mir für den Tourismus der Zukunft, dass…

deutsche Tourist*innen generell weniger fliegen und eher nachhaltig reisen würden.

2. Wenn ich mir alles wünschen könnte, dann…

würde ich mir eine Zukunft wünschen, in der deutsche Tourist*innen ihr Privileg besser reflektieren und nutzen – und sich besser auch kulturell auf Reisen in ein unbekanntes Land vorbereiten – würden.

3. “Wenn ich ein(e) mächtige(r) Politiker*in wäre, würde ich…

Tourismus bzw. touristische Reisen schwieriger machen: Menschen müssten vorher nachweisen, dass sie sich mit der Kultur und Geschichte eines Landes intensiv auseinandergesetzt haben – und dass sie auch generell ein “sauberes Gewissen” haben, was ihre Klimabilanz in dem Jahr angeht.

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