Mit dem Solar-Zug durch Sizilien

Wer ich bin?

Ich bin Designerin for Social Impact <– Ja. Ich lebe und arbeite in Palermo, Sizilien und bewege mich zwischen Palermo, München, Toskana und Palermo (mental sehr schnell, und physisch sehr langsam im Zug). Meine Begeisterung liegt da, wo sich soziale Fragen und Umweltthemen überschneiden, vereinen und in Konflikt treten zum Beispiel die Energiewende, Rewilding oder Grundeinkommen.

Was ich mit Tourismus am Hut habe?

Ich reise gerne und viel – und langsam. Das Reisen an sich ist mein persönlicher Ruhepol und mentaler Übergang von einem an den anderen Ort. Mein gewähltes Zuhause Sizilien lebt vom Tourismus. Hier gibt es jede Menge Probleme von der Wasserknappheit in der Stadt beim Besuch von Kreuzfahrtschiffen, bis hin zu einer Wirtschaft – und damit die Einwohner – die so abhängig ist von einem einzigen Wirtschaftszweig. Es gibt auch jede Menge Initiativen, die mich begeistern, die durch Tourismus die Dinge zum besseren verändern. Professionell brüte ich gerade an einer Business-Idee, die durch Glamping-Experiences einen positiven Impact für Rewilding in Sizilien schafft. Mein persönlicher Konflikt mit dem Reisen ist das Fliegen, das schon manchmal sein muss (ich möchte so gerne mal nach Japan).

Liebe Mama, lieber Papa,

ich bin im Zug wieder auf dem Weg nach Sizilien und jetzt habe ich endlich mal wieder Zeit euch zu Schreiben. Ich muss immer etwas schmunzeln, wenn ich daran denke wie ihr mich vor 30 Jahren noch für verrückt erklärt habt, diese Reisen mit dem Zug zu machen. Und ja vielleicht war es das ja auch ein bisschen. Damals war das ja aber auch noch eine andere Nummer.

Könnt ihr euch an die Reise von Sizilien bis nach Portugal erinnern? Fünf Tage habe ich gebraucht, und das vom Arbeitgeber bezahlt zu bekommen war auch nicht ganz einfach. Und der Zug in Spanien, ohje… mit offenen Türen und kaputter Klimaanlage. Naja, andere Zeiten! Mein Nachtzug ist jedenfalls kaum wieder zu erkennen und auch mit meinen 60 Jahren ist es ein unglaublich komfortables Reisemittel. Ah und so leise und so grün mit dem eigenen Solarstrom auf dem Zugdach – eigentlich unglaublich, dass wir da nicht früher daran gedacht haben… Naja, fast finde ich es auch ein bisschen schade, dass meine routinierte Pizza in Neapel ausfällt, aber bei der Geschwindigkeit lohnt sich das einfach nicht mehr. Ah, aber an der Schönheit und der Ruhe – ja fast schon Meditation – der Zugfahrt hat sich wirklich nichts verändert. Nur das drumherum wäre in meiner Jugend noch nicht denkbar gewesen. Wenn ich die Nase aus dem Zugfenster strecke riecht es nach Blüten, Sträuchern, Wald und einfach herrlich nach Natur! Ich kann die Hirsche röhren hören und freue mich schon auf die Delfine an der Küste, endlich ist das Mittelmeer wieder vollbevölkert! Allerdings, hatten wir auf der Höhe von Rom einen Bärenzwischenfall, das passiert nun wirklich fast jede zweite meiner Zugfahrten. Die haben sich ganz schön gut ausgebreitet hier.

Wisst ihr noch wie wir damals jedem einzelnen einen Namen gaben in den Zeitungen, weil das so eine Seltenheit war? Naja, vielleicht hätte mein Reiseradikalismus in meinen 20ern nicht unbedingt sein müssen, es ist ja alles ziemlich gut gegangen, aber aufregend war’s trotzdem. Manche Dinge verändern sich zum Glück nie: der Kaffee der deutschen Bahn, so schön bitter und wässrig wie in (weniger) guten alten Zeiten.

Mama, Papa, bis ganz bald, ich bin nicht nächste Woche – wie auch dieser Brief – offline.

Hanna

– Originalversion: Deutsch –

Die einzelnen “Zukunftswünsche” zum Zukunftsbild:

1. “Ich erhoffe mir für den Tourismus der Zukunft, dass…

er den reisenden und den gastgebenden Menschen wertvolle Erfahrungen bringt, dass er die Natur immer ein Stückchen heiler macht, dass das Erfahren der Reise dazugehört und dass alle sich Tourismus leisten können – finanziell, zeitlich und kulturell.

2. Wenn ich mir alles wünschen könnte, dann…

dass man durch Reisen auch gleich Weltretten kann.

3. “Wenn ich ein(e) mächtige(r) Politiker*in wäre, würde ich…

auf alle Reisen und Tourismusaktivitäten eine Natursteuer einführen; ein “Tourismus-positive-Impact” Gesetz erlassen; lokalen Tourismus fördern; das Schienennetz in Europa ausbauen und elektrifizieren; einen “Impact-Urlaub” Zuschuss vom Arbeitgeber einführen; und eine vier-Tage-Woche einführen (dann muss man sich nämlich auch gar nicht mehr so arg entspannen im Thailandurlaub).

Weitere Zukunftsbilder zum Thema Tourismus:

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